Geschichte

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Historie unseres 1756 gegründeten und damit ältesten familiengeführten Juweliershauses in Deutschland. Seit 1998 sind wir am Prinzipalmarkt zuhause. Als Mitglied der Kaufleute vom Prinzipalmarkt arbeiten wir hier Seite an Seite mit ausgesuchten, meist inhabergeführten Familienunternehmen. 


Das Haus in der Sonne

Osthues - das Haus in der Sonne und seine Geschichte

Seit vielen Jahren zeigt das Signet von J. C. Osthues eine aufgehende Sonne. Osthues, das Haus im Osten, wird von der Morgensonne beschienen. Diese Strahlen spenden damals wie heute ein warmes, weiches Licht, das gut zu den Wurzeln des ältesten deutschen Juweliers in Familienbesitz passt, das Wachstum und Entwicklung nährt ... 

Vom kleinen Gesellen zum Hofgoldschmied

Als Hermann HEINRICH OSTHUES (1729 -1779) im Dezember 1756 seinen Meisterbrief als Goldschmied erhielt, hatte Friedrich der Große wenige Monate zuvor den Siebenjährigen Krieg angezettelt und Wolfgang Amadeus Mozart machte als „Wolferl“ mit knapp einem Jahr die ersten Gehversuche. Hermann Heinrich Osthues arbeitete zunächst am Spiekerhof, dann an der Bergstraße. Zu diesem Zeitpunkt gab es vom münsterschen Schloss nur Pläne und der Erbdrostenhof war gerade mal zwei Jahre alt. Auch die Promenade existierte noch nicht - zum Glück für die Stadt war sie noch von Mauern und Gräben umgeben. Denn nur ein Jahr nach Gründung des Unternehmens Osthues erreichte der Siebenjährige Krieg auch die fürstbischöfliche Residenzstadt Münster. 1759 belagerten dann hannoversche Truppen die Stadt. „1759 Den 3 September des Morgens um Halber 5 uhr Haben die Hanoveraner die stad munster angefangen zu Bomberdiren ...“, notierte Hermann Heinrich Osthues in seinem Gesellenbuch. Hier hielt er ab 1758 fest, was im Unternehmen und in der Stadt vorging. Auch die Leistungen der Lehrlinge und Gesellen, Wechselkurse, Einkaufsreisen und Lieferantenkontakte wurden hier von ihm persönlich notiert.

Im 18. Jahrhundert, als Blütezeit des Tafelsilbers, lieferte Osthues Silberarbeiten im Rokoko-Stil an die westfälischen Adelshöfe und machte sich gleichzeitig einen Namen als Lieferant von Sakralgerät: Weihrauchfässer und Messgarnituren verließen die Werkstatt zu höheren Weihen. Drei Jahre vor seinem Tod wurde Hermann Heinrich zum fürstbischöflichen Hofgoldschmied ernannt.

Gesellenbuch von Hermann Heinrich Osthues
Gesellenbuch von Hermann Heinrich Osthues
Konfektschälchen mit Zierblüte. Silber. Höhe 12 cm, Hermann Heinrich Osthues, um 1770
Konfektschälchen mit Zierblüte. Silber. Höhe 12 cm, Hermann Heinrich Osthues, um 1770
Ciborium, Silber vergoldet. Höhe 36 cm. Hermann Heinrich Osthues, um 1770
Ciborium, Silber vergoldet. Höhe 36 cm. Hermann Heinrich Osthues, um 1770

Osthues, Cartier und die „Haute Joaillerie“

Im 19. Jahrhundert spielte sich das gesellschaftliche Leben zunehmend nicht mehr ausschließlich in den Ballsälen der Adelshöfe an der Königstraße, sondern auch in bürgerlichen Clubs ab. Dem Schützenwäller-Club, der sich dank der beiden großen Löwen am Clubhaus an der Rothenburg fortan „Zwei-Löwen-Club“ nannte, gehört seit 1815 regelmäßig mindestens ein Mitglied der Goldschmiedefamilie Osthues an. Hermann Heinrichs Enkel JOHANN CASPAR ANTON OSTHUES (1799 -1865) gab dem Unternehmen den Namen „J. C. Osthues“. der sich bis heute gehalten hat. Seit 1846 logierte das Unternehmen in der Rothenburg. „J. C.“ erweiterte den guten Ruf des Unternehmens in Gold- und Silberarbeiten: Er ließ in den Osthues-Werkstätten zunehmend Juwelenschmuck arbeiten, der an die Höfe Europas ging. Damit begründete Johann Caspar die „Haute Joaillerie“-Tradition des Hauses - etwa zur gleichen Zeit, als in Paris Louis-Francois Cartier das gleichnamige Unternehmen gründete und die Fürstin Esterhazy auf den Bällen in der Wiener Hofburg kostbares Geschmeide aus der Osthues-Werkstatt trug.

Bernhard Osthues wird – wie schon seinem Vater Joseph Franz – die Erlaubnis erteilt, sich päpstlicher Hofgoldschmied zu nennen
Bernhard Osthues wird – wie schon seinem Vater Joseph Franz – die Erlaubnis erteilt, sich päpstlicher Hofgoldschmied zu nennen

Der Hoflieferant und die Kaiserin

Johann Caspars Sohn JOSEPH FRANZ (1834 - 1905) durfte sich ab 1866 Hoflieferant der Kronprinzessin von Preußen und später der deutschen Kaiserin nennen. Das Vorbild des prunkliebenden französischen Kaiserhofes und nach 1871 die Gründerjahre im Deutschen Kaiserreich ließen Adel und zunehmend auch das wohlhabende Bürgertum in Perlen und Brillanten schwelgen - das Unternehmen Osthues expandierte.

Der päpstliche Hofgoldschmied und sein „Oscar für Diamanten“

Ja, das liest man überall. „Heute glauben Leute nicht mehr an Kirche oder Vaterland, sondern an die Kraft der großen Marken“, heißt es. Doch der Trend zur Marke kippt. Die ersten Luxuslabels erscheinen sogar wieder völlig ohne Logo. Denn selbst die teuersten Marken sind meist nicht wirklich lange exklusiv: Es laufen einfach zu viele Menschen damit herum, die persönliche Abgrenzung leidet. Wer sich etwas Besonderes leisten will, hat ein Recht auf 100 Prozent Individualität. Immer mehr Menschen entdecken, dass der größte Luxus das maßgefertigte‚ individuelle Einzelstück ist. Vor 250 Jahren, als Heinrich Osthues Mitglied der Goldschmiedegilde wurde, war das noch selbstverständlich. 1884 verlegte Joseph Franz Osthues die Firma in die Ludgeristraße - eine Adresse, die man 114 Jahre führen sollte. Ab 1897 durfte sich Joseph Osthues, wie später sein Sohn BERNHARD (1866 - 1945), päpstlicher Hofgoldschmied nennen. Bernhard und sein Bruder KARL OSTHUES (1876 - 1940) führten das Unternehmen durch die schweren Zeiten des Ersten Weltkriegs, seit 1922 gemeinsam mit Bernhards Sohn JOSEPH KASPAR OSTHUES (1898 - 1940). Als dieser früh starb, lenkte Bernhard das Geschäft allein weiter und übergab es an seinen Enkel KLAUS (1923 -2005). Dieser baute die Juwelen-Kompetenz des Hauses weiter aus und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für Schmuckarbeiten aus den J. C. Osthues-Werkstätten - wie etwa 1973 den Oscar der Diamant-Branche, den Internationalen Diamonds Award der De Beers Corporation.

Signets im Laufe der Geschichte

Die 8. Generation und ihre Zukunft am Prinzipalmarkt

Auch Klaus Osthues fand einen Nachfolger in der eigenen Familie - seit 1987 ist NICO OSTHUES (geboren 1959) alleiniger Inhaber von J. C. Osthues. Mit ihm konnte das Unternehmen 1998 von der Ludgeristiaße zum Prinzipalmarkt 35 umziehen. Eine langjährige Kundin kommentierte diesen Umzug wohlwollend, aber bestimmt: „Ja - da gehören Sie auch hin.“